Auf der Alm
Ich war gerade draußen und habe den Rindern Wasser gebracht und unsere zwei Kühe gemolken. Es ist ein beschwerliches Leben auf der Alm aber meine Frau Herta und ich lieben es. Die frische Luft, die herrlichen Kräuter und vor allem unsere Tiere. Die Kühe und der Bulle, die jedes Jahr zwischen fünf und zehn Kälbchen auf die Welt bringen. Unsere vier Haflinger die auch jedes Jahr fohlen und vor allem die Schweine, die hier oben in unserem Hochgebirgstal frei umher laufen und jedes Jahr an die zwanzig Ferkel werfen. Von Bruno und Hilde unseren beiden Hunden ganz zu schweigen. Berner Sennenhund und ein altdeutscher Hütehund vom Schlag Harzer Fuchs.
Ich bin Metzgermeister und hatte mit beinahe vierzig Jahren eine hübsches Sümmchen angespart. Drei Filialen hatte ich in einer Deutschen Großstadt aufgebaut und zum guten Schluss für mehr verkauft als ich je hätte ausgeben können. Davon haben wir den Hof hier oben gekauft. Keine Industriefleisch mehr, keine Hektik, keine Maschinen. Nachdem unsere Tochter an einer Überdosis gestorben ist, hatten wir immer mal wieder Junkies hier oben die aussteigen wollten. Eine hatte sich dann in der Tenne erhängen wollen, weil sie nach einigen Tagen bemerkt hat, dass sie keine Zukunft hat und das Rad auch nicht wieder zurückdrehen kann. Ich fand sie, wie sie in der Schlinge zappelte. Sie war auf den Heuboden geklettert, hatte das etwa einen Meter lange Seil an einem Bodenbalken festgemacht, sich die Hände auf den Rücken gefesselt, nachdem sie sich die kunstvoll geknotete Schlinge um den Hals gelegt hatte. Dann muss sie sich über den Rand des Bodens gerollt haben . Der Fall in die Schlinge brach ihr Genick, sie war aber nicht sofort Tod. Sie schwang hin und her, als ich sie sah. Sofort habe ich sie mit der Sense in der einen Hand los geschnitten, während ich ihren Körper mit dem anderen Arm vor dem Fall auf den harten Scheunenboden bewahrte.
Sie war bewusstlos als ich sie in das weiche Heu legte. Herta kam in den Stall. Irgendwie weiß sie immer wenn etwas nicht stimmt und folgt dann ihrer Intuition. Wir brauchen kein Handy, dass hier oben sowieso nicht funktionieren würde. Wir haben ja nicht mal Strom, wenn der Generator nicht läuft.
Sie lag auf dem Boden und ich aktivierte meine Erste Hilfe Kenntnisse aus der Zeit wo ich mein eigener Sicherheitsbeauftragter im Betrieb war. Sie kam auch wieder zu sich, die Luftröhre war aber wohl viel zu sehr gequetscht, als dass sie ohne meine Beatmung hätte Luft holen können.
Sie sprach mit ihren Augen, dass sie sterben wollte. Sie schaute so flehentlich. Ich hielt sie aber am Leben. Ein Atemzug für mich und den nächsten pumpte ich wieder in sie rein. Ihr Körper war zu keiner anderen Regung mehr fähig, als dass sich der Brustkorb hob und wieder senkte, wenn die Luft sich pfeifend den Weg durch den verengten und gequetschten Hals suchte.
Herta meinte dann, dass wir jetzt ein Problem hätten. Schließlich wussten wir, dass sie erst sechzehn war und aus einer Rehaklinik abgehauen war, wo sie auf Weisung des Jugendgerichts eine Therapie machen sollte. Ich hatte sie bei einem meiner Ausflüge in die Stadt erwischt wie sie gerade meinen Suzukijeep nach Verwertbarem durchsuchte. Ich weiß noch aus der Zeit meiner Tochter wie es diesen jungen Dingern geht. Ich gab ihr einen Fangschlag und hatte sie auf den Rücksitz geworfen wo sie, mit einem Kälberstrick zusammengebunden, die drei Stunden Fahrt bis auf die Alm zuerst ohnmächtig, dann schreiend und fluchend und zuletzt nur noch leise wimmernd verbrachte. Sie war zwei Monate bei uns und hatte sich eigentlich ganz gut eingeführt, bis sie dann in der Schlinge hing.
Herta meinte auf einmal ganz trocken, das wir sie verschwinden lassen müssten. Sie wollte keine Polizei auf dem Hof, keine endlosen Fragen und eigentlich überhaupt keine Störungen. Nächsten Tag wollten wir die halbjährigen Eber schlachten die dieses Jahr geboren waren. Das wäre doch eine Gelegenheit sie gleich fachgerecht zu entsorgen, meinte Herta. Ich war etwas durcheinander, aber irgendwie war die Idee eigentlich sehr pragmatisch. Ich erinnere mich, dass Herta und ich einmal von Dolcett in einem Pornomagazin etwas gelesen hatte. Wir haben das damals nicht weiterverfolgt, aber im Grunde hatte es mich doch sehr berührt.
Ich hielt immer noch ihren Kopf, und nach dem nächsten Atemstoß den ich ihr gab fragte ich sie ob wir sie schlachten sollten. Sie wusste wie das ablief, hatte einige male in der Schlachtkammer geholfen. Sie lächelte auf einmal und ihre Augen bekamen einen Glanz, den ich mit Worten nicht beschreiben kann. Ich gab ihr einen weiteren Atemstoß und sie versuchte mit ihren Lippen Worte zu bilden.
Ich sah zu Herta und war fast erschrocken wie ich sie so sah. So entschlossen und voller Freude hatte ich sie lange nicht gesehen. „Komm, trag sie rüber in die Schlachtkammer“, sagte sie, „es ist doch schon alles vorbereitet für morgen.“ Ich nahm das Mädchen auf und trug es aus der Scheune heraus über den kleinen Hof in das Gebäude wo wir die Produkte unseres Hofes herstellen. Die Schlachtkammer war ein etwa 30 qm großer Raum, drei Meter hoch und vollkommen gekachelt. Die Vorschriften des Gesundheitsamtes hatten uns bei der Übernahme des Hofes dazu gezwungen dieses moderne Gebäude hier so zu errichten, oder sie hätten uns die Hofschlachtung untersagt. Das einzige Gebäude was technisch der Zeit entspricht, bzw. der aktuellen Entwicklung weit voraus ist. Die Kühlkammer, und alle Maschinen zur Fleischbearbeitung und für die Käseherstellung werden von Solarkollektoren auf dem Dach der großen Scheune gespeist. Nur zu ganz wenigen Anlässen unterstützen wir noch mit Generatorstrom. Die meiste Zeit ist es hier oben sowieso kalt genug um ohne zusätzliche Kühlung auszukommen. Und unsere Haupterzeugnisse sind ohnehin getrocknete, luftgetrocknete Fleischwaren.
Ich legte das Mädchen auf den Fußboden. Ich wusste, dass die Fliesen kalt sind und bedauerte die Kleine, die immer so leicht gefroren hatte. Die meiste Zeit sprang sie dick in Wolle verpackt über den Hof und durch unser Tal. Jetzt begann ich sie zu entkleiden. Ihr Körper war kraftlos und einfach auszuziehen. Sie hatte etwas Stuhl verloren und ihre Hose war vollkommen durchtränkt mit ihrer Pisse die sie wohl am Strick hängend gehen lassen musste.
Sanft legte ich ihren Kopf auf den Boden und gab ihr wieder Luft. Ich hatte nicht damit gerechnet, aber es gab einen kurzen Schlag und da wusste ich das Herta damit begonnen hatte den ersten Fleischerhaken durch ihre Ferse zu schlagen. Das Kind verzog keine Miene. Sicher hatte sie unterhalb des Halses keinen Schmerzempfindungen mehr. Ein zweiter Schlag. Ich hob ihren Kopf und Oberkörper leicht an, sodass sie sehen konnte wie die Haken zwischen dem Unterschenkelknochen und der Archillesehne durchgezogen waren. Sie sah es und lächelte zufrieden. Herta hatte die Haken schon in die Flaschenzüge eingehängt und holte eben die Lose aus dem Seil als ich der Kleinen abermals einen Atemstoß gab.
Ihre Füße hoben sich vom Boden wo eine kleine Blutspur zurück blieb. Als ihr Becken sich auch vom Boden löste hielt ich ihren Oberkörper, bis sie ganz ausgestreckt hängen konnte. Ich wollte nicht, dass sie über den Boden gezogen wird.
Ich kniete mich hin, um ihr Luft ein zu blasen. Ihre Haare hingen gerade nach unten und berührten gerade eben noch mit den Spitzen die den Boden.
Jetzt kam der Zeitpunkt wo ich ihr eigentlich die Halsschlagader öffnen müsste. Aber ich zögerte. Ich wusste, dass sie sterben wollte. Ich wusste aber auch, dass sie es gerade genoss. Ihre Augen konnten nicht lügen. Ich hatte sie noch nie so Strahlen gesehen.
Ich gab ihr wieder einen Atemstoß. Sie schaute auf das Messer das Herta in der Hand hielt. Das Messer zum öffnen der Halsschlagader. Sie schaute nach oben, wo ihr Körper hing. Dann schloss sie die Augen.
Ich nahm das Messer, während Herta den Körper noch etwas höher zog, sodass wir eine Wanne unterstellen konnten. Ich küsste sie auf die Stirn und Herta, streichelt ihr mit der Hand über die Muschi, die ziemlich behaart so eigentlich hier im Schlachtraum aus hygienischen Gründen gar nichts zu suchen hatte. Dann setzte ich das Messer an und machte einen kleinen Schnitt. Das Blut pulsierte heraus und Herta fing es mit einem Eimer auf. Die Kleine öffnete die Augen und formte mit den Lippen das Wort „Luft“. Ich dreht ihren Kopf so, dass ich vom Blutstrahl nicht getroffen werden konnte und gab ihr einen Atemzug. „Mehr“ forderten ihre Lippen tonlos. Ich gab ihr mehr. Dann wieder ein Wort, dass ich erst nach mehrmaligem Wiederholen verstand, oder besser akzeptieren konnte. „Ausnehmen“, forderte sie tonlos. Was ging in diesem Mädchen vor fragte ich mich. Dann wieder „Luft“, dann wieder „Ausnehmen, schnell“ und wieder „Luft“. Ich war wie paralysiert. Ich konnte nichts machen. Dann sah ich Herta, die gehörte hatte, was sie sagte, denn ich habe alle Worte laut wiederholt um sicher zu sein dass ich sie richtig verstanden hatte. Herta war mit dem richtigen Messer eben dabei ihr den alles eröffnenden Schnitt am Schambein zu setzten als ich zu ihr aufblickte. Ich hob den Kopf von dem Mädchen, damit sie sehen konnte was jetzt passierte. Mehr als zwei Liter Blut waren jetzt schon in dem Eimer und Herta hatte verstanden was das junge Ding wollte. Sie wollte es erleben, geschlachtet zu werden. Als die Bauchdecke sich öffnete war in ihrem Gesicht kein Schmerz zu lesen. Wieder hob ich ihren Kopf und und ließ sie schauen. Gerade lösten sich die ersten Darmschlingen von ihrem Torso und folgten der Schwerkraft als ihre Lippen das Wort „Gut“ formten. Ich gab ihr einen Luftstoß nach dem anderen. Jetzt hatte ich auch begriffen, dass sie es genoss was da passierte. Trotzdem dauerte es nun nur noch einigen Sekunden bis sie die Augen für immer schloss. Ich hätte „ihr“ die Schlagader eventuell doch nicht so früh öffnen sollen.
Ich schaute schräg nach oben, dorthin wo ich vermutete sie jetzt auf die Szene herabblicken würde. Jedenfalls wird so etwas von Menschen behauptet die ihren Körper für einige Zeit verlassen hatte, bei sogenannten Nahtoderfahrungen. Ich lächte ihr zu.. Herta glaubte auch, dass es so etwas geben könnte zog für sich aber ganz andere Schlüsse daraus. Sie hatte die Zeit, alsich das Mädchen auszog, genutzt und sich die Metzgerkleidung übergeworfen. Ölhose und Jacke in weiß und dazu Gummistiefel. Jetzt langte sie mit ihren beiden Unterarmen, die in Ellenbogen langen Gummihandschuhen steckten tief in den Torso der Kleinen und ließ die ganzen Innereien in die Wanne gleiten. Den Oberkörper legten wir auf dem großen Hackklotz ab und lösten den Kopf vom Rumpf mit einem Beil. Dann zerteilte ich den Körper mit dem Beil in zwei Hälften. Herta spülte den Darm durch, als ich die Hälften über die Laufkatze an der Decke in den Kühlraum schob. Ich dachte noch das sei eine Übersprungshandlung, dass Herta eben alles genau so machte als wenn wir eine Sau geschlachtet hätten. Aber dem war nicht so. Herta wollte alles von dem Mädchen verarbeiten. So als ob es nie ein Mädchen gewesen wäre.
Mich gruselte dieser Gedanke, wie ich heute noch sehr genau weiß.
Als ich eben auf der Wiese bei den Kühen war hatte ich zwei Wanderer gesehen die weit oben das Tal herab kamen. Ich hatte mich sehr gewundert, denn irgendwie bewegten sie sich eigentümlich. Wenn sie sich beeilten, würde es ihnen gelingen den Hof noch vor der Dämmerung erreichen.
Aber sie kamen nicht. Die Hundes schlugen auch nicht an, obwohl niemand an dem Hof vorbeikommt ohne von den Hunden begrüßt zu werden. Es war wohl so gegen elf Uhr, als ich noch einmal vor das Haus trat. Oben im Tal sah ich Lichtblitze zucken. So wie von einem Feuerwerkskörper. Immer ein Blitz im Abstand von etwa 30 Sekunden. Hören konnte ich nichts. Aber das lag bestimmt auch an dem kräftigen warmen Wind der das Tal hinaufzog. Wenn diese warme Luft weg wäre, dann würde es eine sehr kalte Sommernacht hier oben geben.
Um halb ein Uhr nachts stieß Herta mich an. Sie hatte da so ein Gefühl, dass sie nicht schlafen ließ. So musste ich dann wohl mit dem kleinen Suzuki den Wirtschaftsweg rauf fahren und schauen was aus den Wanderern wohl geworden ist. Ich nahm das Gewehr und die Hunde mit, denn hier, unweit der Grenze sind nicht nur nette Leute unterwegs. Aber das ist eine andere Geschichte, die vielleicht ein anderes mal erzählt werden wird.
Eine Geschichte von Birk Borkasson
borkassonbirk@yahoo.de